100 Jahre Max Bill als Startschuss für Exzellenz-Cluster

Ulm, 5. Dezember 2008 (hfg) – Geburtstagsveranstaltung in der HfG Ulm beleuchtet Schaffen Max Bills und visualisiert neues Nutzungskonzept für Gebäude

"Das sieht ja aus wie ein Zugunglück," sagte Max Bill über die Anordnung der HfG-Gebäude, als er den Rohbau 1953 gegenüber seinem damaligen Assistenten, Fred Hochstrasser, am Donau-Ufer kommentierte. Durch diese Momentaufnahme eines Selbstzweifels Bills, zog Festredner Hochstrasser 150 Gäste der Geburtstagsveranstaltung '100 Jahre Max Bill', am 5. Dezember 2008, in seinen Bann. Gegenüber seinem Lehrmeister, dem Multi-Talent Max Bill, empfindet Hochstrasser "großen Respekt und Dankbarkeit." Hochstrasser erläuterte anlässlich des Festaktes in einer sehr persönlichen Rede, dass Max Bill sein Leben lang um die volle Anerkennung der etablierten Architekten-Zunft kämpfen musste, die ihn lange Zeit als Designer abgestempelt hatte.

Fotos der Veranstaltung

Oberbürgermeister Ivo Gönner nahm in seiner Ansprache Bezug auf ein Zitat Max Bills, wonach "etwas Neues immer dann entsteht, wenn ein Bedürfnis danach besteht." Gönner sieht diese Erkenntnis als wegweisend für die Umsetzung des neuen Nutzungskonzeptes der Stiftung HfG Ulm, welches das Billsche Gebäude zu neuem Leben erwecken und nach der Sanierungsphase ein gestalterisches Exzellenz-Cluster beherbergen soll. Seine Einschätzung stieß auf anhaltenden Beifall der Festgäste.

Presse:
Externer Link zu Regio-TV-Beitrag über die Zukunft der HfG Ulm.
Südwest Presse SWP: HfG-Stiftung feiert 100 Jahre Max Bill
Augsburger Allgemeine: Ein Mythos wird Verpflichtung
SPIEGEL.de: "Er konnte vernichtend sein"

Der Mensch als Keim für die schöne Form: Der Künstler, Designer und Architekt Max Bill (1908-1994) hatte sich zeitlebens in seinen Werken und Gestaltungen der Idee einer gesellschaftspolitischen Verantwortung verschrieben. Aus Anlass seines 100. Geburtstags haben ihn die Stiftung Hochschule für Gestaltung HfG Ulm und die Max, Binia + Jakob Bill Stiftung im Rahmen der Veranstaltung „max bill hundert jahre – der architekt der hfg ulm" auf dem Ulmer Kuhberg als ein Schwergewicht der europäischen Design-, Architektur- und Kunstgeschichte gewürdigt.

„Max Bill hat sich als Architekt mit dem Bau des Gebäudes der HfG Ulm ein herausragendes Denkmal am Kuhberg gesetzt: In ihm manifestiert sich nicht zuletzt seine entscheidende Rolle auch als Formengeber und Ideengestalter der von ihm mitbegründeten Hochschule, die sich einer ganzheitlichen, nachhaltigen und verantwortungsvollen Gestaltung verpflichtet sah", erklärte Dr. Dieter Bosch, geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung HfG Ulm, vor rund 150 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Kultur und Politik, darunter auch der Schweizer Generalkonsul in Stuttgart, Josef Renggli, sowie Max Bills Sohn Jakob in seiner Funktion als Vorsitzender der Max, Binia + Jakob Bill Stiftung.

Die ganze Rede von Dr. Dieter Bosch als Download

Während Fred Hochstrasser, Assistent und Bauleiter von Max Bill beim Bau der HfG-Gebäude ab August 1953, in seinem Vortrag „Architekt Max Bill in Ulm" die Rolle des Gründungsrektors der HfG Ulm als Architekt beleuchtete, ordnete der renommierte Münchner Architekt Amandus Sattler (Bild 2 von 6) Max Bill als Verfechter des Einfachen in seiner Bedeutung und Aktualität für die heutige Architekturszene ein.

Die Aktualität der reduzierten und für den Menschen verständlichen Form spiegelt sich in jeder Ecke des HfG-Gebäudes von Max Bill wider – ein Bau, der sich wie in früheren Zeiten nach einer designnahen Nutzung förmlich zu sehnen scheint. Doch was bedeutet diese Gegenwart der Vergangenheit für die künftige Nutzung des Gebäudes? Mittels visuell gestalteter Bildfahnen und würfelförmiger Elemente an den architektonischen Schlüsselstellen des Baus schlägt das Ulmer Gestaltungsbüro Braun Engels im Rahmen der Veranstaltung einen Bogen von der goldenen Zeit der HfG Ulm hin zur künftigen Nutzung des Billschen Architektur-Komplexes im Jahr 2011. Während die Bildfahnen Szenen des einstigen Hochschullebens auf dem Kuhberg-Campus zeigen, entwerfen die Kuben anhand von Schattenrissen potenzieller, paradigmatischer Mieter und anhand von typographischen Elementen ein lebendiges Bild von der Nutzung des Gebäudes in naher Zukunft.

„Bestehende sowie neue Formen und Strukturen der Innenarchitektur sollen sich dabei künftig in harmonischer Koexistenz begegnen", erklärte Dr. Bosch. „Die Leitlinien Max Bills sind uns, der Stiftung HfG Ulm, als Ideen stets Vermächtnis, auch wenn die Formen im Laufe der Jahre eine Metamorphose durchgemacht haben. Natürlich wird es keine Neuauflage der HfG Ulm als Bildungsstätte geben: Aber die Stiftung wird sich durch Projektförderungen und den Exzellenz-Cluster eines Designparks am Kuhberg aktiv in die praktische Realisierung von Formgebung unter der Prämisse der Nachhaltigkeit, Verantwortung und Verständlichkeit einzubringen versuchen."

hfg ulm