Philipp Oswalt schlägt Brücke zwischen Stiftung Bauhaus Dessau und Stiftung HfG Ulm

Ulm, 21. September 2009  (hfg) – Ist ein Avantgardist, der originär Neues schaffen will, zur Traditionspflege geeignet? Diese spannende Frage warf Professor Philipp Oswalt, Vorstand und Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, auf der diesjährigen Stadthausveranstaltung der Stiftung HfG Ulm auf (Fotos). Oswalt erläuterte am Freitagabend, den 18. September 2009, auf Einladung von Dr. Dieter Bosch, Vorstand der Stiftung HfG Ulm, Schnittmengen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der beiden Stiftungen. Dabei stellte er fest, dass der bloße Mythos und die schlichte Legendenbildung einer Marke den kritischen Diskurs verhindere und auf ein Klischee reduziere.

Eine Gemeinsamkeit zwischen Ulm und Dessau sieht Oswalt in dem Stiftungszweck das jeweilige gestalterische Erbe der 20er und 30er bzw. 50er und 60er Jahre zu bewahren und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er plädiert daher für den weiteren Ausbau des HfG-Archivs, dessen Bedeutung in der Welt noch unterschätzt werde. Der Wissenschaftler hält die historische Gelegenheit, mit dem Archiv von der Pionierkaserne in die HfG Ulm umzuziehen, für ein „großes Geschenk“ des Schicksals. Dieser Prozess müsse aber Hand in Hand mit den Ehemaligen vollzogen werden, so Oswalt. Wie auch im neuen Nutzungskonzept der HfG Ulm vorgeschlagen, regte er zudem an, das HfG-Gebäude auch für post-graduierte Ausbildungsgänge, Stipendiate, Workshops und künstlerische Interventionen nutzbar zu machen. Die zuvor auf dem Ulmer Kuhberg anstehende Gebäudesanierung hält er aus Gründen des Denkmalschutzes für herausragend wichtig.

Diesbezüglich erinnerte Baubürgermeister Alexander Wetzig in seiner Funktion als Stiftungsratsmitglied daran, dass die Stiftung HfG Ulm ihre Neuorientierung hin zu einem Exzellenz-Cluster für junge Designer, im Gegensatz zur Stiftung Bauhaus Dessau, einer öffentlich-rechtlichen Institution, aus eigener Kraft stemmen müsse. Als private Stiftung ist die Stiftung HfG Ulm nicht, wie im Fall der Stiftung Bauhaus Dessau, durch großzügige Finanzmittel von Bund und Land ausgestattet. Sie ist daher auch nicht antragsberechtigt, Mittel aus dem Konjunkturpaket II zu beantragen, sondern muss zur Zukunftssicherung selbst ein betriebswirtschaftlich tragfähiges Konzept entwickeln und umsetzen.

„Ich danke Ihnen, dass Sie dieses Thema angepackt, einen Finanzierungsplan ausgearbeitet haben und die Umsetzung voran treiben“, sagte Oberbürgermeister Ivo Gönner diesbezüglich zu Dieter Bosch. Es sei nun wichtig, den zeitlichen Ablauf dieser Planungen einzuhalten. Nicht nur, um dann in Abstimmung mit dem Gemeinderat „unser“ HfG-Archiv auf den Kuhberg zu bringen, sondern auch um interessierten Neumietern konkrete Zusagen machen zu können.

Dieter Bosch hatte während der Eröffnungsansprache mitgeteilt, dass bereits für zwei Drittel der frei werdenden Mietfläche ernsthafte Mietinteressenten vorhanden sind. Im Hinblick auf die Namensfindung und Umsetzung des avisierten "Designparks HfG Ulm" sowie den neuen alten Geist auf dem Kuhberg, zitierte Bosch aus der ersten offiziellen, vom dreiköpfigen Direktionsausschuss Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher, und Max Bill 1954/55 herausgegebenen  Broschüre zur HfG Ulm: „Die Hochschule für Gestaltung in Ulm ist eine Neugründung der Geschwister Scholl Stiftung. Ihr innerer Aufbau ist ähnlich einem freien Zusammenschluss sich ergänzender Ateliers, Labors, Werkstätten und Studios zu gemeinsamer Arbeit. Daraus entsteht eine lebendige Arbeitsgemeinschaft. Sie gibt einen übernationalen Charakter.“ Mit dem Konzept des Exzellenz-Clusters für Gestaltung belebe die Stiftung HfG Ulm den Campus und die Gebäude auf dem Kuhberg wieder ganz in diesem Sinne, so Dr. Bosch.

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"Schnittmengen", Stadthausveranstaltung der Stiftung HfG Ulm (Foto: Christoph Morlok)