28.11.2012, 19.00 Uhr – NEU: Buchvorstellung "HfG IUP IFG. Ulm 1968-2008", Dr. René Spitz

Gestaltung: Petra Hollenbach & Regina Klebinger, Köln

Weltweit steht »Ulm« für einen spezifischen Anspruch an die Gestaltung der modernen Welt. Die Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Design und Architektur als Mittel zur kulturellen Bewältigung der technischen Zivilisation zu entwickeln. Wie an keinem anderen Ort konzentrierte sich die theoretische und praktische Auseinandersetzung auf die Frage, worin die gesellschaftliche Verantwortung der Gestalter besteht – vorangetrieben von Akteuren wie Otl Aicher, Max Bense, Max Bill, Gui Bonsiepe, Tomás Maldonado und Horst Rittel.

Dieser Diskurs wurde auch nach der Schließung der HfG 1968 vom Ulmer Kuhberg aus weiter geführt: Zuerst im Institut für Umweltplanung IUP (1969-1972), seit 1988 durch das Internationale Forum für Gestaltung IFG Ulm. »Ulm« ist seither durch seine permanente Transformation gekennzeichnet: Jeweils neue Antworten auf die unverändert akuten Fragen nach den humanen Grundlagen der Gestaltung
jenseits der Oberfläche der Dinge, geliefert von führenden Protagonisten der internationalen Gestalterszene im Gespräch mit Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kunst.

Das vorliegende Buch macht diese Kontinuität mit ihren Brüchen erstmals sichtbar. Es versammelt Original-Interviews mit Ruedi Baur, Gerhard Curdes, Christopher Dell, Fred Hochstrasser, Bernd Kniess, Siegfried Maser, Ton Matton, Miguel Robles-Duran, Sabine Süß, Regula Stämpfli, Florian Walzel und Alexander Wetzig. Mit einem Text von Peter Sloterdijk.  

FÄLLT AUS: 28.11.2012 – "Subjective Atlas", Annelys de Vet

Design – der Radar für sozialen Wandel

Designer sind bestens dazu ausgerüstet, ein Radar für sozialen Wandel zu sein. Offene Fragen bleiben indessen: Können Gestalter als kritische Agenten diese Aufgabe in der Kommunikation, Reflektion, im gegenseitigen Verstehen, in der Debatte, in der Zusammenarbeit und für die befruchtende Diskussion erfüllen? Verantwortungsvolle Gestalter tun dies bisher weltweit, sofern sie mit den Instrumenten der kritischen Analyse, der wohlorganisierten Aktionen, einer Verpflichtung für Zusammenarbeit arbeiten. Nur dann können die Gestalter die Prozesse, die sich um uns herum entwickeln, auch begleiten.

Annelys de Vet ist Grafikdesignerin, Autorin und Initiatorin diverser Projekte. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Design Departments des Sandberg Institutes in Amsterdam. In dieser Funktion unterstützt sie den kritischen Diskurs sowie die politische Verantwortung der Gestalter. Für die Ulmer Gespräche hat sie einen Vortrag entwickelt, der zeigen soll, wie kritisches Design und die politische Verantwortung des Gestalters als Ausbildung und in eigenen Projekten vorangetrieben werden können. Ihre Publikationen sind: 

‘Subjectieve atlas van Nederland’ (BIS Publishers ’05), ‘The public role of the graphic designer’ (Design Academy Eindhoven ’06), ‘Subjective Atlas of Palestine’ (010 Publishers ’07) ‘Subjective atlas of Serbia’ (Dom Omladine ’09), ‘Subjective atlas of Hungary’ (HVG ’11) and ‘Subjective atlas of Mexico’ (Textofilia ’11).

Momentan arbeitet sie an einem Projekt in Palästina, welches ein eigenes Designlabel entwickeln soll mit dem Titel "Disarming Design from Palestine".

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Design as a radar for social change
How can design help you to develop a ‘radar’ for social change. Can designers be critical agents of process and govern communication, reflection, understanding, debate, collaboration and cross-fertilization. As responsible professionals and dedicated enthusiasts, designers can visualize new vistas and communicate through designed languages to engage with social issues. Equipped with critical analysis, well-organized actions, commitment and collaborations designers can process what happens around and between us. 
Annelys de Vet is a graphic designer, editor and initiator. Since 2009 she has been head of the Design Department of the Sandberg Instituut Amsterdam and reflects upon critical positions for designers. For the Ulmer Gespräche she will show the educational approaches and ideologies of the Design department, and present some of her own projects as examples of a changing design profession.
De Vet has a studio for graphic research and cultural design in Brussels, which initiated and authored several publications investigating the role of design in relation to the public and political discourse: ‘Subjectieve atlas van Nederland’ (BIS Publishers ’05), ‘The public role of the graphic designer’ (Design Academy Eindhoven ’06), ‘Subjective Atlas of Palestine’ (010 Publishers ’07) ‘Subjective atlas of Serbia’ (Dom Omladine ’09), ‘Subjective atlas of Hungary’ (HVG ’11) and ‘Subjective atlas of Mexico’ (Textofilia ’11). She has been a lecturer at Design Academy Eindhoven, Jan van Eyck Academie Maastricht, HKU, Sint Lukas Brussels and the International Academy of Arts Palestine. Currently she is working on new collection of useful objects from Palestine reflecting upon their current reality. They will be presented and distributed through a new design label 'Disarming Design from Palestine'.

Form, Farbe und Sprache der Arabischen Revolution Rayan Abdullah berichtet über seine Erfahrungen mit der ägyptischen Revolution, die er seit dem Arabischen Frühling mehrfach vor Ort miterlebt hat. In seinem Vortrag geht er auf die visuelle Sprache der Revolution in Kairo ein, indem er sich mit den Elementen Form, Farbe und Sprache auseinandersetzt. Der Professor für Typografie stellt die Bedeutung des kulturellen Kontextes für die Interpretation der Revolution dar. Seinen Focus legt er dabei auf die Schrift und Typografie.

Prof. Rayan Abdullah zählt zu den heutigen Experten der Corporate Identity und des Corporate Designs. Als gebürtiger Iraker lebt er in Berlin und Leipzig. Nach dem Studium der Kulturpädagogik und der Visuellen Kommunikation ist er erfolgreich als Professor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und als Gründungs-dekan an der Deutschen Universität in Kairo tätig. Er ist der Geschäftsführer der eigenen CI/CD-Agentur Markenbau. 

27.09.2012 – "False Flag: Rule by Design" Daniel van der Velden/Metahaven - Vortrag in englischer Sprache

Unter falscher Flagge – Antworten zum Design von unten unter der Herrschaft von oben.

Daniel van der Velden untersuchte im Rahmen der Analyse „False Flag“ die Frage, wieso unser Zeitalter der „Erste-Welt-Armut“, mehr als je zuvor, im goldenen Schein souveräner Herrschaft daherkommt. Er mutmaßt: „Die Überlegenheit der Jäger (Reichtum, Gesundheit, Macht und Wohlstand) zeigt sich in der Sprache der Gejagten (Pixel und Bits).“

In unserem Design-Zeitalter prallen das menschliche Sprachrohr Occupy Wall Street, asiatische Standardschriften, Sparsamkeit und Improvisation, bröckelnde Infrastruktur und opulenter Glamour und Glitzer all derjenigen, die es sich noch leisten können zu investieren, darzustellen und Profite zu machen, aufeinander. Während öffentlich nach Offenheit, Gleichheit und Demokratie gerufen wird, sehnen sich viele privat nach der Wiedererlangung absoluter Macht. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen der visuellen Verehrung der überlegenen Welt des Glitzer und Glamours und den politischen Trends zu weniger Demokratie und mehr absoluter Macht?

Daniel van der Velden ist Grafiker und Schriftsteller und lebt in Amsterdam. Zusammen mit Vinca Kruk und Gon Zifroni ist van der Velden Partner der Agentur ‚Metahaven‘ mit Sitz in Amsterdam und Brüssel. Derzeit ist Daniel van der Velden als Forscher für Design an der Jan van Eyck Acadmie in Maastricht in beratender Funktion tätig, wo er Projekte wie Logo Parc und das in Kürze erscheinende Design Negation ins Leben gerufen hat. Er ist Dozent an der Design Fakultät des Sandberg Institutes in Amsterdam und wurde 2007 auch an die Yale University in New Haven berufen. Daniel van der Velden ist seit 2008 Mitglied des Fachbeirates der IFG Ulm GmbH.

Neue Veranstaltungsreihe seit Mai 2012

Im Rahmen der Fördertätigkeit des IFG hat die Intendantin Dr. Regula Stämpfli die ulmer gespräche" initiiert. In den ulmer gesprächen sollen namhafte nationale und internationale Gestalter aus ihrem Themen- sowie Arbeitsbereich über die Mikroebene von Designing politics – The politics of design" nachdenken. Ulm eignet sich wie kein anderer Ort auf der Welt, unabhängig, weitblickend, kritisch und nachhaltig über die Gestaltung des öffentlichen und privaten Raums nachzudenken. Die IFG ist deshalb sehr glücklich, mit den ulmer gesprächen in den Räumen der Stiftung HfG Ulm den Diskurs über Raum, Politik und Macht zu beleben.

Die ulmer gespräche sind einer breiten Öffentlichkeit zugängig bei freiem Eintritt. Sie finden monatlich an einem Donnerstag um 19 Uhr im kleinen Hörsaal im Zentrum für Gestaltung HfG Ulm statt und werden anschliessend in der Reihe ulmer gespräche" publiziert. 

Die Plakate und Vortragskarten zu den jeweiligen Gesprächen werden von Prof. Dr.h.c. Ruedi Baur gestaltet und können bei der IFG zu Werbezwecken oder als Sammelobjekte bezogen werden per Mail an hanisch(at)hfg-ulm.de

28.06.2012 – "Der dienende und entfremdete Stein", Michael Senn

Über die Instrumentalisierung eines unwilligen Materials. 

Dienend, da er mit sich in allen Formen, Zeiten und Räumen von Menschen behandeln lässt. Entfremdend, weil er sich jeder Festlegung durch seine Eigenwilligkeit und Langlebigkeit entzieht. 

Der Bildhauer Michael Senn befasst sich in seinem Vortrag mit der Dauerhaftigkeit von Stein als dem Sein und der Vergänglichkeit von Formen ebenso wie mit der Verwirtschaftlichung, die den Stein zum ersten Mal seit seiner Entdeckung als Material zu brechen droht, obwohl ihn das nicht im geringsten interessiert.

Michael Senn hat eine Steinmetz/Bildhauerlehre in Dresden gemacht. Als freischaffender Bildhauer arbeitete er in Barcelona, München und Stockholm. Als Autor schreibt er unter anderem zusammen mit seinem Werkstattpartner Kolumnen.

19.07.2012 – "Design: Befehl von ganz unten", Dr. René Spitz

Alle großen Design-Bewegungen waren Protest-Bewegungen. Das mag man kaum glauben. Edelste Textilien des Arts-and-Crafts-Movement, elegante Plakate des Jugendstil, Stahlrohrmöbel der Bauhaus-Ära, Braun-Design – all diese zu Ikonen geronnenen Erzeugnisse der Designgeschichte beruhten auf vehementem Auflehnen gegen die jeweils bestehenden Umstände. Das ist heute kaum mehr vorstellbar, weil sie aus ihrem Zusammenhang gerissen sind und als Sammlerstücke auf Auktionen für horrende Summen den Besitzer wechseln. Der reformerische Impuls des Design ist in den Hintergrund gerückt.

Was bedeutet das für das Design von morgen? Ebenso wie die 68er, die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Umweltschutzbewegung der 80er Jahre, so ziehen auch heute virulente gesellschaftliche Strömungen erhebliche Mobilisierungskräfte aus ihrem subversiven Umgang mit Design: Stuttgart 21 oder die Piratenpartei in Deutschland, Occupy oder der arabische Frühling im internationalen Kontext. Aus diesen Prozessen müssen sich die Designer fundamentale Erkenntnisse aneignen. Wer nicht umdenkt, wird bald nur noch als willfähriger Hoflieferant für den "schweinischen Luxus der Reichen" (William Morris, 1876) wahrgenommen werden. 

18.10.2012
18.10.2012
18.10.2012
27.09.2012
27.09.2012
19.07.2012
19.07.2012
19.07.2012
19.07.2012
28.06.2012
28.06.2012
31.05.2012
31.05.2012

2012-06-02-NUZ_HfG__Design_im_Diskurs.pdf

ulmer gespräch #1 mit Prof. Fons Hickmann

2012-10-20-SWP_Das_Design_in_der_Revolte.pdf

ulmer gespräch #5 mit Prof. Rayan Abdullah