28.11.2012, 19.00 Uhr – NEU: Buchvorstellung "HfG IUP IFG. Ulm 1968-2008", Dr. René Spitz
Weltweit steht »Ulm« für einen spezifischen Anspruch an die Gestaltung der modernen Welt. Die Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Design und Architektur als Mittel zur kulturellen Bewältigung der technischen Zivilisation zu entwickeln. Wie an keinem anderen Ort konzentrierte sich die theoretische und praktische Auseinandersetzung auf die Frage, worin die gesellschaftliche Verantwortung der Gestalter besteht – vorangetrieben von Akteuren wie Otl Aicher, Max Bense, Max Bill, Gui Bonsiepe, Tomás Maldonado und Horst Rittel. FÄLLT AUS: 28.11.2012 – "Subjective Atlas", Annelys de VetDesign – der Radar für sozialen Wandel Designer sind bestens dazu ausgerüstet, ein Radar für sozialen Wandel zu sein. Offene Fragen bleiben indessen: Können Gestalter als kritische Agenten diese Aufgabe in der Kommunikation, Reflektion, im gegenseitigen Verstehen, in der Debatte, in der Zusammenarbeit und für die befruchtende Diskussion erfüllen? Verantwortungsvolle Gestalter tun dies bisher weltweit, sofern sie mit den Instrumenten der kritischen Analyse, der wohlorganisierten Aktionen, einer Verpflichtung für Zusammenarbeit arbeiten. Nur dann können die Gestalter die Prozesse, die sich um uns herum entwickeln, auch begleiten. Annelys de Vet ist Grafikdesignerin, Autorin und Initiatorin diverser Projekte. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Design Departments des Sandberg Institutes in Amsterdam. In dieser Funktion unterstützt sie den kritischen Diskurs sowie die politische Verantwortung der Gestalter. Für die Ulmer Gespräche hat sie einen Vortrag entwickelt, der zeigen soll, wie kritisches Design und die politische Verantwortung des Gestalters als Ausbildung und in eigenen Projekten vorangetrieben werden können. Ihre Publikationen sind: ‘Subjectieve atlas van Nederland’ (BIS Publishers ’05), ‘The public role of the graphic designer’ (Design Academy Eindhoven ’06), ‘Subjective Atlas of Palestine’ (010 Publishers ’07) ‘Subjective atlas of Serbia’ (Dom Omladine ’09), ‘Subjective atlas of Hungary’ (HVG ’11) and ‘Subjective atlas of Mexico’ (Textofilia ’11). Momentan arbeitet sie an einem Projekt in Palästina, welches ein eigenes Designlabel entwickeln soll mit dem Titel "Disarming Design from Palestine". ... Design as a radar for social change Form, Farbe und Sprache der Arabischen Revolution Rayan Abdullah berichtet über seine Erfahrungen mit der ägyptischen Revolution, die er seit dem Arabischen Frühling mehrfach vor Ort miterlebt hat. In seinem Vortrag geht er auf die visuelle Sprache der Revolution in Kairo ein, indem er sich mit den Elementen Form, Farbe und Sprache auseinandersetzt. Der Professor für Typografie stellt die Bedeutung des kulturellen Kontextes für die Interpretation der Revolution dar. Seinen Focus legt er dabei auf die Schrift und Typografie. 27.09.2012 – "False Flag: Rule by Design" Daniel van der Velden/Metahaven - Vortrag in englischer SpracheUnter falscher Flagge – Antworten zum Design von unten unter der Herrschaft von oben. In unserem Design-Zeitalter prallen das menschliche Sprachrohr Occupy Wall Street, asiatische Standardschriften, Sparsamkeit und Improvisation, bröckelnde Infrastruktur und opulenter Glamour und Glitzer all derjenigen, die es sich noch leisten können zu investieren, darzustellen und Profite zu machen, aufeinander. Während öffentlich nach Offenheit, Gleichheit und Demokratie gerufen wird, sehnen sich viele privat nach der Wiedererlangung absoluter Macht. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen der visuellen Verehrung der überlegenen Welt des Glitzer und Glamours und den politischen Trends zu weniger Demokratie und mehr absoluter Macht? Daniel van der Velden ist Grafiker und Schriftsteller und lebt in Amsterdam. Zusammen mit Vinca Kruk und Gon Zifroni ist van der Velden Partner der Agentur ‚Metahaven‘ mit Sitz in Amsterdam und Brüssel. Derzeit ist Daniel van der Velden als Forscher für Design an der Jan van Eyck Acadmie in Maastricht in beratender Funktion tätig, wo er Projekte wie Logo Parc und das in Kürze erscheinende Design Negation ins Leben gerufen hat. Er ist Dozent an der Design Fakultät des Sandberg Institutes in Amsterdam und wurde 2007 auch an die Yale University in New Haven berufen. Daniel van der Velden ist seit 2008 Mitglied des Fachbeirates der IFG Ulm GmbH. Neue Veranstaltungsreihe seit Mai 2012Im Rahmen der Fördertätigkeit des IFG hat die Intendantin Dr. Regula Stämpfli die „ulmer gespräche" initiiert. In den ulmer gesprächen sollen namhafte nationale und internationale Gestalter aus ihrem Themen- sowie Arbeitsbereich über die Mikroebene von „Designing politics – The politics of design" nachdenken. Ulm eignet sich wie kein anderer Ort auf der Welt, unabhängig, weitblickend, kritisch und nachhaltig über die Gestaltung des öffentlichen und privaten Raums nachzudenken. Die IFG ist deshalb sehr glücklich, mit den ulmer gesprächen in den Räumen der Stiftung HfG Ulm den Diskurs über Raum, Politik und Macht zu beleben. Die ulmer gespräche sind einer breiten Öffentlichkeit zugängig bei freiem Eintritt. Sie finden monatlich an einem Donnerstag um 19 Uhr im kleinen Hörsaal im Zentrum für Gestaltung HfG Ulm statt und werden anschliessend in der Reihe „ulmer gespräche" publiziert. Die Plakate und Vortragskarten zu den jeweiligen Gesprächen werden von Prof. Dr.h.c. Ruedi Baur gestaltet und können bei der IFG zu Werbezwecken oder als Sammelobjekte bezogen werden per Mail an hanisch(at)hfg-ulm.de 28.06.2012 – "Der dienende und entfremdete Stein", Michael SennÜber die Instrumentalisierung eines unwilligen Materials. Dienend, da er mit sich in allen Formen, Zeiten und Räumen von Menschen behandeln lässt. Entfremdend, weil er sich jeder Festlegung durch seine Eigenwilligkeit und Langlebigkeit entzieht. Der Bildhauer Michael Senn befasst sich in seinem Vortrag mit der Dauerhaftigkeit von Stein als dem Sein und der Vergänglichkeit von Formen ebenso wie mit der Verwirtschaftlichung, die den Stein zum ersten Mal seit seiner Entdeckung als Material zu brechen droht, obwohl ihn das nicht im geringsten interessiert. Michael Senn hat eine Steinmetz/Bildhauerlehre in Dresden gemacht. Als freischaffender Bildhauer arbeitete er in Barcelona, München und Stockholm. Als Autor schreibt er unter anderem zusammen mit seinem Werkstattpartner Kolumnen. 19.07.2012 – "Design: Befehl von ganz unten", Dr. René SpitzAlle großen Design-Bewegungen waren Protest-Bewegungen. Das mag man kaum glauben. Edelste Textilien des Arts-and-Crafts-Movement, elegante Plakate des Jugendstil, Stahlrohrmöbel der Bauhaus-Ära, Braun-Design – all diese zu Ikonen geronnenen Erzeugnisse der Designgeschichte beruhten auf vehementem Auflehnen gegen die jeweils bestehenden Umstände. Das ist heute kaum mehr vorstellbar, weil sie aus ihrem Zusammenhang gerissen sind und als Sammlerstücke auf Auktionen für horrende Summen den Besitzer wechseln. Der reformerische Impuls des Design ist in den Hintergrund gerückt. Was bedeutet das für das Design von morgen? Ebenso wie die 68er, die Anti-Atomkraft-Bewegung und die Umweltschutzbewegung der 80er Jahre, so ziehen auch heute virulente gesellschaftliche Strömungen erhebliche Mobilisierungskräfte aus ihrem subversiven Umgang mit Design: Stuttgart 21 oder die Piratenpartei in Deutschland, Occupy oder der arabische Frühling im internationalen Kontext. Aus diesen Prozessen müssen sich die Designer fundamentale Erkenntnisse aneignen. Wer nicht umdenkt, wird bald nur noch als willfähriger Hoflieferant für den "schweinischen Luxus der Reichen" (William Morris, 1876) wahrgenommen werden. |
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